Nachbild-Garten

AFTERIMAGE GARDEN ist jeder Garten, den ich je geliebt habe. Die wilden Rosen meiner Kindheit, der verwilderte Pflaumenbaum meines Schrebergartens, die Heckenrosen, die wir pflanzten, als ich nach Dänemark zog, erscheinen in einem einzigen Moment, wenn der richtige Duft mich erreicht.

Meine Eltern hatten einen Garten, den ich für die ganze Welt hielt. Wilde Rosenbüsche, die in der Sonne gebacken wurden, Schwarze Johannisbeeren, die im Spätsommer schwer an den Zweigen hingen, der besondere grüne Geruch von Dingen, die schneller wuchsen, als man mithalten konnte. Ich verbrachte Stunden darin, ohne einen anderen Zweck, als einfach nur da zu sein.

Im Gewächshaus zog ich einen Mandarinenbaum. Ich war ein Kind, und er gehörte ganz mir allein. Ich goss ihn, ich beobachtete ihn, ich machte mir in den kalten Monaten Sorgen um ihn.

Als ich erwachsen wurde, fanden mich immer wieder Gärten. Ein kleines Hochbeet an einem Kanal. Dann ein Schrebergarten mit einem Pflaumenbaum, der so alt und verwildert war, dass er gefühlt schon vor dem Garten existiert hatte, schwer behangen mit Früchten im August, der Duft von gespaltenen Zwetschgen süß und fast fermentiert in der Hitze. Exotische Lilien, die ich pflanzte, weil ich nicht anders konnte. Nelken, die jedes Jahr wiederkamen, ohne darum gebeten zu werden.

Dann verliebte ich mich und zog nach Dänemark. Das Erste, was wir für unseren neuen Garten kauften, war ein Paar wilder Heckenrosen. Sie wachsen überall entlang der dänischen Küste, für jeden, der hier aufgewachsen ist, völlig gewöhnlich. Aber für mich, als sie das erste Mal blühten und dieser Geruch mich erreichte, dieser besondere Wildrosenduft, grün und süß und leicht scharf, war ich völlig woanders. Jeder Garten, den ich je geliebt hatte, kam auf einmal an.

Darum geht es bei AFTERIMAGE GARDEN. Nicht um einen Garten, sondern um alle, geschichtet, so wie Erinnerungen sich schichten. Mandarine und Schwarze Johannisbeere obenauf, hell, unmittelbar, das Gewächshaus und die Sommerbüsche der Kindheit. Nelke, Lilie und Rose im Herzen, langsam, so wie Blumen tatsächlich aufblühen. An der Basis Sandelholz und Ambra und Zedernholz, warm und unaufgeregt.